Björn Höcke, Auschwitz und die bunte Vogelwelt

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Es begann harmlos: Der Naturschutzbund hat seine jährliche Wahl zum Vogel des Jahres 2021 ins Leben gerufen: Alle Menschen in Deutschland können über deren Internetzseite mit ein paar Klicks zwischen verschiedenen Kandidaten wählen.
Unsere „Clownwelt“ wäre aber nicht sie, wenn selbst dieser harmlose Wettstreit unter Vogelliebhabern nicht Anlass zur Politisierung böte. Unter Anderem hat Björn Höcke auf Twitter seine Wahlempfehlung für den Goldregenpfeifer abgegeben.

Natürlich haben seine politischen Gegenspieler den Handschuh umgehend aufgenommen und entsprechende Warnungen in die Weiten des Internetzes verkündet. So die Initiative „FARN“ – die „Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz“.1

Dort wird der Leser über die „diverse, progressive und globalisierte“ Vogelwelt aufgeklärt und erfährt von schockierenden Bezügen der Ornithologie direkt zum Vernichtungslager Auschwitz.

Weiterhin liest man über den Goldregenpfeifer:


„Für die Verehrung des Regenpfeifers von neu-rechter Seite gibt es wiederum eine Erklärung: Armin Mohler (1920–2003), ein Schweizer Schriftsteller und Journalist, der von den Neuen Rechten als ikonischer Vordenker verehrt wird. Regenpfeifer sind für Mohler neu-rechte Wappentiere. „Regenpfeifer“ seien in Anlehnung an die Vogelart große Warner, die Wandel, Fruchtbarkeit und neues Leben ankündigen. Sie „warnen vor der heraufkommenden Zerstörung, aber sie empfehlen keineswegs die Rückkehr in die gute alte Zeit. Ihr Ziel ist nicht die Bewahrung des Überkommenen, sondern das Festhalten des Wesentlichen“ (Armin Mohler: Georges Sorel. Erzvater der Konservativen Revolution, Edition Antaios, S. 7). Im Nachruf auf Mohler nach dessen Tod im Jahr 2003 in der Jungen Freiheit (Ausgabe 29/03), einer national-konservativen Wochenzeitung, heißt es: „Mohler ist nicht müde geworden, auf versteckte Einflüsse hinzuweisen, auf die große Wirkung, die scheinbar an den Rand gedrängte Autoren ausüben konnten – oft mit Verzögerung, oft auf andere Weise als ursprünglich erwartet. Ihn interessierten jene Denker, die er ‚Regenpfeifer‘ nannte. Regenpfeifer sind Vögel, die mit ihrem Gesang das Kommen eines Unwetters ankündigen.“ Selbstverständlich hat diese mystische Projektion nichts mit der biologischen Realität von Regenpfeifern zu tun.“

Dem Verfasser dieser Zeilen ist der Regenpfeifer dadurch aus dem Dunkel der Vogelwelt in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, sodass sich der gefährdete Moorbewohner nun einer weiteren Stimme in seiner Karriere zum möglicherweise bald beliebtesten Vogel von Clown-Deutschland erfreuen kann. Der Vorgang führt wieder einmal vor Augen, dass derzeit kaum ein Anlass banal und lächerlich genug sein kann, um ihn in der digitalen Endschlacht zwischen dem vierten Reich und dem „Ende der Geschichte“ als Munition zu verwenden.
Vielleicht steht zu befürchten, dass ein beherztes Eingreifen des Verfassungsschutzes nur eine Frage der Zeit ist. Wer sich dennoch in die mutige Phalanx der rechts-offenen Vogelfreunde einreihen will, kann dies hier mit ein paar Klicks tun.

https://www.vogeldesjahres.de/

1https://www.nf-farn.de/extremen-rechten-vogel-zeigen

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