Buchempfehlung: Götz Kubitschek – Nassehi, ich und Leggewie. Zwei Briefwechsel

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Wenn der Antaiosverlag seine wohl einmalige „Kaplaken“-Reihe fortsetzt, stehen die neurechten Leser Schlange, um an den anregenden geistigen Ergüssen aus Deutschlands wohl umstrittensten Rittergut teilzuhaben. Neugierig haben wir uns gern eingereiht und uns „Nassehi, ich und Leggewie. Zwei Briefwechsel“ vom Verlagschef höchstselbst zu Gemüte geführt.

Das Büchlein beinhaltet zwei sehr unterschiedliche Konversationen zwischen sehr unterschiedlichen Männern. Erstere führt der Schnellrodianer mit dem bekannten, konservativen Soziologen Armin Nassehi. Trotz zahlreicher intellektueller Gemeinsamkeiten zeigt sich rasch, dass beide ihre unüberbrückbaren Differenzen haben, die sich in „ Nassehi, ich und Leggewie“ nicht auflösen lassen. Das müssen sie auch nicht. Die beiden sehr verschiedenen Männer haben sich einiges zu sagen und begegnen sich respektvoll auf Augenhöhe. Es ist traurig, Letzteres explizit erwähnen zu müssen, jedoch gelten gleich im kommenden Dialog andere Maßstäbe.

Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie ist Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Mitglied im Verein Rat für Migration. Er adressiert eingangs an Kubitschek die Frage nach den Grenzen des Widerstandes, zu dem dieser bei verschiedenen Gelegenheiten aufrief – Handelt es sich dabei um das Anstoßen neuer Debatten oder gar um einen Vorläufer kommender Gewalteskalationen im Stile der RAF? In ihrem anschließenden Schlagabtausch über sehr heterogene Erlebnishorizonte bundesdeutscher Bürger hinsichtlich der hiesigen Migrationspolitik, Blumenrabatten zertrampelnde Hooligans und die Wehrhaftigkeit des Christentums zeigt sich schnell, dass die Antagonisten in unterschiedlichen Sphären zu Hause sind und eine Annäherung nicht stattfindet. Ihre Äußerungen sind Ausdruck äußerst verschiedener Narrative, in denen sich ihr Erleben und ihre Deutung der Gegenwart abspielt, sodass eine Annäherung unmöglich scheint – Sinnbild für die Gesprächskultur in der BRD.

Wir haben Kubitscheks kurzweiliges „Nassehi, ich und Leggewie. Zwei Briefwechsel“ mit Genuss gelesen. Ausdrückliche Empfehlung!