Der biologische Leninismus – Teil 1

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Doreen, 21, Studentin, vorher eher unpolitisch, wird eines Tages von ein paar ihrer Kommilitonen auf das Konzert einer lokalen Linksrockband geschleppt. Wenige Tage später gibt sie auf Instagram oder auf einer anderen social media Plattform bekannt, Nazis (also AfD-Wähler und Querdenker) ganz doof zu finden. Kurz darauf folgen dann die regelmäßigen Story-Highlights, in denen sie immer wieder dazu aufruft, den armen, ertrinkenden Flüchtenden im Mittelmeer zu helfen, nicht selten mit ein wenig Kritik am Kapitalismus oder am Patriarchat gewürzt. Einige Wochen später hat Doreen grüne Haare, ein Nasenpiercing und ein paar neue Geschlechtskrankheiten. Und nach ein paar Monaten heißt sie dann auf einmal Dorian oder outet sich als Lesbe, wenn nicht sogar beides. Wen wundert eine solche Entwicklung überhaupt noch? Dieser Prozess ist mittlerweile so sehr zum Klischee geworden, dass auf das finale coming out eher ein Augenrollen als ein Gefühl der Überraschung folgt. So oder so ähnlich beginnen unzählige politische Biografien im modernen Westen. Die eigentliche Frage ist: Wieso sind linke Ideologien und sexuelle Devianz mittlerweile so untrennbar miteinander verflochten?

Der Blogger Spandrell beschäftigte sich mit genau dieser Frage und fasste die politischen Hintergründe dieser Entwicklung in seinem Konzept des biological Leninism zusammen. Die Idee des biological Leninism spielt eine wichtige Rolle in der Neo-Reaktionären Gedankenwelt und dient als Ergänzung der von Curtis Yarvin aufgestellten Cathedral Theorie. In diesem Beitrag werde ich diese Idee erläutern und mit meinen eigenen Gedanken erweitern.

Spandrell teilt den Leninismus in zwei Formen auf, zum einen den klassischen historischen Leninismus, welcher die Taktiken der bolschewistischen Revolutionäre beschreibt, und dem biologischen Leninismus, welcher ungefähr in den 1960ern unbemerkt im Westen Fuß gefasst hat und viele Ideen des klassischen Leninismus in abgewandter Form anwendet. Das Erfolgsrezept dieser Ideologien besteht darin, dass er dem Menschen Status verspricht, und es gibt viele Menschen, die sich nach Status sehnen. Wer besonders davon profitiert, sind sozial Geächtete und diejenigen, die genau wissen, dass sie ohne den Leninismus immer den Kürzeren ziehen werden. Je weiter unten eine Person in der gesellschaftlichen Hierarchie steht, umso mehr kann sie sich vom Leninismus erhoffen, und umso energischer wird diese sich auch für dessen Implementierung einsetzen. So sichert der Leninismus sich die bedingungslose Loyalität seiner Anhänger, denn ohne Stand, Bildung und Besitz sind diese von der Partei abhängig. Aus diesem Grund sind sie auch dazu bereit, das Regime bis zu ihrem Tod zu verteidigen, denn ohne das Regime wären sie nichts. Loyalität ist sowieso das Einzige, was der Leninismus von seinen Anhängern verlangt. Stalin beschrieb den klassischen Leninismus als „die Theorie und Taktik der proletarischen Revolution im allgemeinen„¹, der Leninismus ist also als Ideologie zu betrachten, welche beabsichtigt, ein sozialistisches oder gar ein kommunistisches Regime zu implementieren.

Verlierer fühlen sich zum Sozialismus hingezogen wie die Fliegen zum Misthaufen, und in einer kapitalistischen Gesellschaft gibt es viele Verlierer. Vom Migranten, der keine ausreichenden Sprachkenntnisse verfügt, über den körperlich Benachteiligten bis hin zur Intellektuellen, die sich dazu entschlossen hat, Theaterwissenschaft zu studieren. Durch ungünstige Lebensbedingungen oder wie im letzten Fall durch eigene Verschuldung sind diese Personen nicht dazu in der Lage, einer gut bezahlten Arbeit nachzukommen, und so wird ihnen die Möglichkeit genommen, am kapitalistischen Lotterleben teilzunehmen. Der klassische Leninismus musste sich deshalb an die wirklichen Verlierer des Kapitalismus richten und diese gegen ihn aufhetzen. In einer Gesellschaft wird es immer Hierarchien geben, und der Leninismus verstand sich darauf, die untersten Schichten dieser Hierarchien ausfindig zu machen und sie auf ihre Seite zu ziehen.

Beide Formen des Leninismus versammeln alle Kräfte, die den vorherrschenden Typus Mensch um seinen Status beneiden. Zu Lenins Zeiten war die russische Aristokratie und der Zar aufgrund ihrer Machtposition unter den „Verlierern“ verhasst, im Westen der heutigen Zeit wird diese Rolle vom heterosexuellen weißen Mann im allgemeinen eingenommen. Wie sind diese Gruppen überhaupt zu ihrer Machtposition gekommen? Sie haben es geschafft, etwas auf die Beine zu stellen. Was früher der Klassenkampf war, ist heute der Kampf der Geschlechter, Sexualitäten und Ethnien, also Umstände, welche biologische Hintergründe haben.


¹Stalin, Joseph W. „Über die Grundlagen des Leninismus„, 1924

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