Der Passivist

Veröffentlicht in: Metapolitik, Theorie | 0

Im mosaikrechten, oppositionellen Spektrum stößt man auf eine spannende Vielzahl von Personen, die mit ihrem Wirken einen Beitrag zur Gegenkultur leisten und einen sehr heterogenen Hintergrund haben. Banner hissende Aktivisten, libertäre Youtuber, konservative Publizisten und medienaffine Oppositionelle bilden eine lose Phalanx von Protagonisten, die ein Gegengewicht zum zunehmend globalistisch ausrichtenden und immer häufiger zentralistisch agierenden Gesinnungsstaat darstellen, der sich am Horizont abzeichnet. Im Verhältnis zur übrigen Gesellschaft ist ihre Anzahl überschaubar, obgleich sich ihre regierungs- und zeitgeistkritischen Positionen und Aktivitäten großer Beliebtheit erfreuen.

Bei zahlreichen Analysen des patriotischen Spektrums fällt häufig die graue Masse an Beobachtern dem Vergessen anheim, die mit Interesse das Geschehen verfolgt, häufig überaus vernichtende Urteile gegenüber dem Hauptstrom fällt, jedoch keinerlei Aktivitäten an den Tag legt – frei nach dem Motto „Mit den Händen in den Taschen die Welt verbessern.“

Die Gründe hierfür sind vielfältig:

Der Beruf lässt zu wenig zeitlichen Spielraum. Die Frau darf nichts mitbekommen. Die bestehenden Akteure und Gruppierungen sind alle doof. Hobbys lassen die Freizeit ohnehin schon zusammenschrumpfen. „Q“ wird es schon richten. Es nervt, sich zu viel mit Politik zu befassen. Widerstand ist sowieso sinnlos – „Was will man schon groß machen?“ Aktivismus und der Kontakt zu Patrioten entspricht nicht dem sozialen Status und intellektuellen Niveau, das man sich selbst beimisst: Man versteht sich schon als konservativ, will sich von der Heute-Show-Satire aber nicht immer angesprochen fühlen – Und es ist doch noch weiter bis zum rechten Rand als in den Schoß der „bürgerlichen Mitte“. Der Hamster bedarf intensiver Pflege. In Analogie zum Aktivisten soll er hier „Passivist“ genannt werden.

Häufig ist die eigene Passivität kein Hindernis, patriotische Verfechter ihrer Interessen harsch zu kritisieren und sich dabei gar am argumentativen und rhetorischen Fundus der Hauptstrommedien reichlich zu bedienen. Der Küchenpsychologe könnte vermuten, dass dankbar jede Ausrede für die eigene Bigotterie aufgegriffen wird. Wie dem auch sei – der implizit angerichtete Schaden in Form des Umbaus unseres Landes ist groß. Und er trifft auch den Passivisten mit unverminderter Härte. Häufig hat er für den drastischen Wandel unserer Lebenswelt ein gut funktionierendes Sensorium entwickelt und leidet an der Großwetterlage, während er keinerlei Anstalten macht, die Initiative zu irgend etwas zu ergreifen. Dabei gäbe es mehr als genug für ihn zu tun, um sein Potential und seinen aufgestauten Tatendrang sinnvoll zu kanalisieren:

Informationsverbreitung im Internet oder mit Flugzetteln, kreative Kunstaktionen, Engagement in der Parteipolitik, das Bilden von Lesekreisen zum gemeinschaftlichen Aufbau fundierter Gegenpositionen, Spenden an Akteure und Initiativen aller Art, die stellvertretend für ihn ihre Köpfe hinhalten, das Gründen von Anlaufpunkten für Gleichgesinnte, die Verbreitung eigener Gedanken in Wort und Bild, sei es als Youtube-Kanal, Blog oder Podcast, das Unterstützen patriotischer Vertriebe, etwa für Textilien oder Bücher, die Artikulation oppositioneller Standpunkte bei öffentlichen Veranstaltungen der Altparteien, der Besuch von Demonstrationen… das Potential an Aktionsmöglichkeiten, die jedem gerecht werden, ist endlos.

Der aktive Patriot hat kaum Möglichkeiten, den Passivisten zur Mitarbeit anzuregen, wenn dieser in seiner Verweigerungshaltung verharrt. Dennoch sollte er stets nach Möglichkeiten suchen, gangbare Wege aufzuzeigen. Ein Heer an Bürgern befindet sich in Ermangelung eines aktivierenden Impulses in einer schier unerträglichen Warteposition. Der Anschluss an ein patriotisches Projekt setzt häufig große Kreativität, Enthusiasmus und Tatendrang frei. Das Vorhandensein dieser „stillen Reserve“, deren Stillstand durch die konstante Zuspitzung der Lage für sie immer unerträglicher wird, ist ein ermutigender Gedanke. Anders verhält es sich bei dem Passivisten aus Überzeugung. Im metapolitischen Kampf gesellt er sich zu den Frauen und Kindern ins Innere der metaphorischen Wagenburg. Ihm kann nur nachdrücklich davon abgeraten werden, sich mit der Politik zu befassen. Dies führt bei ihm lediglich zu Verspannungen, die sich jedoch nie konstruktiv entladen, was Frustration zur Folge hat. Er sollte stattdessen lieber konstruktiv seine Zeit – etwa mit seinen Kindern – verbringen, ein Hobby pflegen oder seinen Gartenzaun streichen. Als politisch unverbrauchter Bestandteil des Volkes gehört auch er zu dem, was der Patriot für sich in Anspruch nimmt, zu verteidigen. Wenn es darum geht, unsere Lebensart zu bewahren, fällt ihm so doch noch eine nicht zu vernachlässigende Rolle zu. Möglicherweise muss er sich jedoch von seinen Kindern und Enkeln eines Tages die Frage gefallen lassen „Wo warst du damals?“

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