Die Kälte der Andersfrierenden

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„Frieren für die Freiheit!“.

Klingt das nicht genial? Ich finde schon.

Einfach den Gashahn zudrehen. Damit zeigt der Deutsche, dass er immerhin ein wenig aus der Geschichte gelernt hat. Sie verstehen schon: Gashahn. Diesmal andersherum gedreht. Also zu.

Zugleich holt man mit dem Verzicht auf überschüssige Heizleistung zum ultimativen Schlag aus gegen seinen derzeitigen Lieblingsungeimpften: Wladimir Putin. Der russische Präsidentenkönig hat im Unbeliebtheitsranking seiner nichtrussischen Nichtwahlberechtigten endlich Donald Trump abgelöst und sich knapp hinter dem, dessen Name nicht genannt werden darf platziert. Sie wissen schon wem.

Der sowjetsozialisierte Bärenbändiger und Tigerreiter lächelt derweil müde über die großdeutschen Allmachtsphantasien. Er weiß, dass er etwas hat, das die anderen wollen und nicht umgekehrt. Netflix, Pornhub und Coca Cola sind ersetzbar. Wärme nicht.

Aber der Deutsche ist abgehärtet. Jedenfalls der abgespaltene Teil vom virengeplagten Volkskörper, der zwar heftig superspreadet, sich sonst aber leidlich geistiger Gesundheit erfreut. Der es gewohnt ist, abgeschnitten vom öffentlichen Leben zu sein. Ein ausgegrenzter Sozialschädling, der wie ein Hund draußen zu bleiben hat. Der jedoch eines sicher beherrscht: Lauwarmen Kaffee aus einem Pappbecher bei minus 5 Grad vor der Tür zu schlürfen und dabei noch Spaß zu haben, während die ängstliche Meute sich übel gelaunt und hustend hinter FFP2-Masken am Kamin im Inneren verschanzt. Draußen hüpft man ein bisschen auf der Stelle, um warm zu bleiben, bevor es weiter auf einen ausgedehnten Spaziergang geht. Der nasskalte Wind pfeift den Hartgesottenen mit 25 Stundenkilometern eisig ins Gesicht. Egal. Bewegung ist gut für die Verfassung. Die Vermummten drinnen beherrschen nur eine fließende Bewegung: Handy aus der Hosentasche, Corona-Warnapp aufrufen („Oh mein Gott schon wieder einer neuer Kontaktalarm!“), Impfzertifikat zeigen, Telefon wieder wegstecken und Maske richten. Die Kontrollchoreographie klappt flott inzwischen, Übung macht eben den Meistersklaven.

Nun soll also für die Freiheit gefroren werden. Würde ich glatt machen, wenn es um meine (echte) Freiheit ginge. Tut es aber nicht. Die, die jetzt dazu aufrufen, am Heizventil zu schrauben, sind personengleich mit den Warmduschern, die sich nachts auf dem Balkon heimlich im Vollschutz ihre Portion Nikotin durch die Staubmaske ziehen. Und auch im übrigen auf ihre Gesundheit achten. Nur noch ein Kinderriegel. Schadet schon nicht, bin ja vollständig geimpft. Es sind die Bahnhofs-Plüschteddywerfer, diese ständig Gutmeinenden, mit der Ukraineflagge und Friedenstäubchenschwadronen im Whatsapp-Statusbildchen, die glauben, jetzt sei Zeit zu frieren.

Für deren Freiheit soll ich mit den Zähnen klappern? Für die Freiheit derer, die seit Jahren dabei sind, dieses Land in ein einziges großes Shithole zu verwandeln? Für jenen schwachen Abklatsch an Restfreiraum, an dem sie mich nicht einmal teilhaben lassen wollen, da es mir an den nötigen Zertifikaten mangelt?

Vergesst es. Heizung eine Stufe rauf, im Kühlschrank eine Stufe runter. Beluga-Wodka will kalt genossen werden.