Kinder im Lockdown – Allein und verängstigt

Veröffentlicht in: Covid19, Stralsund | 0

Uns erreichte der nachfolgende Bericht einer besorgten und fassungslosen Mutter (Name und Anschrift der Redaktion bekannt).

„Meine Tochter ist 8 Jahre und geht in die zweite Klasse einer Dorfschule. Ich bin berufstätig und auf den Frühhort für meine Tochter angewiesen. Der Frühhort befindet sich in unserem Wohndorf, die Schule ca. 7 km entfernt im Nachbardorf.

Ich bringe mein Kind jeden Morgen um 06:30 Uhr in den Frühhort. Um rechtzeitig in der Schule zu sein, muss sie jeden Morgen mit dem Schulbus fahren. Sicherlich glaubt jede Mutter, wenn sie ihr Kind in die Obhut des Hortes gibt, dass es gut betreut und in Sicherheit ist. Aber so ist es nicht. In dieser Pandemie-/ Lockdownzeit wurde ich eines Besseren belehrt.

Die meisten Kinder sind zu Hause, da die Schulpflicht faktisch aufgehoben wurde. Da ich meinen Lebensunterhalt bestreiten muss, bleibt mir nichts Anderes übrig, als in die Stadt zur Arbeit zu fahren. Für mich wäre es unverantwortlich mein Kind allein zu Hause lassen.

Mein Kind ist offensichtlich momentan das einzige Kind im Frühhort was mit dem Bus zur Schule fahren muss. Eines nachmittags kam mein Kind zu mir und berichtete, dass es ganz alleine im Dunkeln (sie geht ca. 7:15 Uhr vom Frühhort los) zur Bushaltestelle gehen musste (Foto) und dort auch ganz alleine auf dem Bus wartete. Erst einige Zeit später kamen auch noch andere Kinder hinzu. Sie (8Jahre) hatte allein im Dunkeln natürlich Angst und weinte. Sonst sind die Kinder immer in einer Gruppe gegangen oder mit einem Erzieher.

Allein und Verängstigt

Daraufhin habe ich am nächsten Morgen mit der Leitung gesprochen, warum mein Kind alleine zur Haltestelle im Dunkeln gehen muss. Das wurde ganz schnell abgetan:

‚Ja, es tut uns leid. Es sind keine anderen Kinder hier, die auch diesen Weg gehen müssen und ab der zweiten Klasse haben die Kinder alleine zu gehen. Dass ist Ihnen doch auch bekannt.‘

So wurde ich also abgefertigt!

Ich fuhr in Gedanken und in der Hoffnung meinem Kind wird nichts passieren zur Arbeit. Gegen 8:00 Uhr rief ich in der Schule an und fragte nach, ob mein Kind heil in der Schule angekommen ist. Zum Glück war dies auch der Fall.

Morgens gehen die Kinder im Frühhort in einen Kindergarten und ab Nachmittag gibt es einen separaten Hort der sich am anderen Ende des Dorfes befindet. Gegen Mittag habe ich dann direkt in der Horteinrichtung angerufen und den Sachverhalt der Erzieherin geschildert. Ich wurde wieder ganz schnell abgefertigt:

‚Das ist halt so.‘

Auf die Frage gegenüber der Erzieherin: Was ist, wenn meinem Kind auf dem Weg zur Schule etwas passiert? Die Antwort:

‚Dann haften Sie dafür!‘

Mir fiel in diesem Moment nichts mehr ein und ich fragte: Warum das? Ich gebe doch mein Kind in den Frühhort weil ich es dort in Sicherheit wiege.

‚Ja, das ist ja auch richtig aber sobald das Kind auf dem Weg zur Haltestelle/Schule ist, geht die Verantwortung automatisch wieder zu ihnen und sie haften, wenn irgendwas passiert.‘

Damit habe ich mich nicht zufriedengegeben und ich diskutierte mit der Erzieherin. Dann kam die heftigste Aussage, die ich je gehört habe:

‚Falls was passiert, müsste man es auf einen Rechtsstreit ankommen lassen.‘

Soweit, so schlecht.“

Auf Nachfrage beim Schulamt erging die Auskunft, dass ein Zweitkläßler nicht allein gehen darf und der Weg vom Frühhort zur Schule auch versicherungstechnisch durch die Schule abgesichert ist.

Nicht auszudenken, die Mutter würde diese Situation auf sich beruhen lassen und es passiert wirklich etwas!

Fazit des „Einzelfalles?“: Man darf gerade in dieser Zeit nicht alles akzeptieren was einem Möchtegernpotentaten auftischen!

Eltern, kämpft für und mit euren Kindern!

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