Linke im rechten Diskurs – Zwischen Kulturhegemonie, Straßenterror und Handlangertum Teil 1

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Der rechte Diskurs dreht sich zum Großteil um den politischen Gegner, sei es um den von Dekonstruktion geprägten Zeitgeist, singuläre Taten kultureller und politischer Akteure (etwa in Gestalt eines Jan Böhmermann oder einer Forderung nach Inzestlegalisierung seitens der Jungen Grünen) oder den gesellschaftlichen Stellenwert linker Akteure, inklusive ihrer metapolitischen Inthronisierung. So lange die eigene konstruktive Theoriebildung dabei nicht zu kurz kommt, ist das auch gut so – immerhin handelt es sich beim Objekt der Betrachtung um einen schier übermächtigen Gegner, der Arbeitnehmer denunziert, der Lügen verbreitet, der physische Gewalt anwendet und dabei über den Rechtsstaat erhaben zu sein scheint, der den Kultur- und Medienbetrieb weitgehend an sich gerissen hat, der mit aller Macht die Zerstörung jeglicher Fundamente unseres Zusammenlebens vorantreibt und dafür jüngst eine Milliarde Steuergelder allein vom Bund zugesprochen bekam. All dies und mehr tut er in einem grotesken Spagat zwischen dem vom Staat verfolgten Opfer und einem Inquisitor, der per Tweet Heerscharen williger Vollstrecker mobilisiert und Spitzenpolitiker mit der Moralkeule vor sich her treibt. Zurecht wurden zur Erklärung dieser Absurditäten zahllose Zeilen geschrieben, auch bei uns.

These dieses Essays ist, dass es dafür zwei vorherrschende Erklärungsmodelle gibt, die nur bedingt miteinander vereinbar sind, jedoch häufig implizit nebeneinander als Argumentationsgrundlage dienen. Ziel soll nicht sein, diesen Widerspruch aufzulösen, sondern für gewisse argumentative Unschärfen zu sensibilisieren.

Die Hydra der linken Kulturhegemonie

Der erste Erklärungsansatz besteht darin, dass die Verfechter linker Denkansätze mit ihrem beharrlichen „Marsch durch die Institutionen“ in allen Einrichtungen, die für die öffentliche Meinung ausschlaggebend sind, die Kontrolle übernommen haben. Dazu zählen die Medienanstalten, Universitäten und der Kulturbetrieb. Belege dafür lassen sich zuhauf finden.

Geistesgeschichtlich ist der heutige Zustand das Ergebnis eines langen Kulturkampfes, der schon mit der französischen Revolution begann und sich überall dort zeigt, wo die Gegner tradierter Aspekte unseres Zusammenlebens mit deren Bewahrung ringen. (Ausführlicher zu dem Thema hier)

Der beschriebene Zersetzungsprozess verlief – dezentral vorangetrieben und organisch als Ergebnis eines Generationen übergreifenden Diskurses – von Kant bis Mill, Hegel bis Marx, von Adorno bis Foucault. Er manifestiert sich heute in dem Agieren solcher Erfüllungsgehilfen vom Schlage Sascha Lobos oder Jakob Augsteins, die sich auf den Lorbeeren wesentlich größerer Denker intellektuell ausruhen und es verstehen, dieses geistige Kapital in monetäres und soziales zu verwandeln. Ihre wahre Aufgabe besteht darin, in kleingeistiger Wühlarbeit den Status Quo der Dekonstruktion um ihrer selbst willen an einer Unzahl gesellschaftlicher Angriffspunkte (sei es der kritische Diskurs im Netz, historische Straßennamen, das grammatische Geschlecht von Büroartikeln oder die Delegitimierung ethnisch geprägter Faschingskostüme) durchzuexerzieren und an der medialen Front eisern zu verteidigen, um ihren Lehren gesellschaftliche Akzeptanz zu verschaffen.

An den Universitäten schreitet währenddessen ein ähnlich gearteter Indoktrinationsprozess voran. Bewehrt mit erschlichenen akademischen Graden, die implizieren, der/die/*-jenige leiste einen substantiellen Beitrag für die Gesellschaft, wie etwa ein Lehrer oder Ingenieur, und als seriöse Geistes- und Sozialwissenschaft („Gender Studies“ etc.) getarnt, fungieren die Vertreter der alt-ehrwürdigen Universitäten als Superspreader des „neuen Geistes“. (Die Anspielung auf Thomas Haldenwangs Äußerung, die Neue Rechte, allen voran das Institut für Staatspolitik, fungiere als „Superspreader von Hass und Gewalt“, ist hier beabsichtigt.) Kommende Generationen entsprechend geformter Akademiker*innen werden künftig wichtige Schaltstellen der Gesellschaft besetzen und den Siegeszug der kulturellen Zerstörung zementieren.

In den Parlamenten sorgen links-grüne Agitatoren dafür, dass der Geldstrom für ein wachsendes Heer gut alimentierter politischer Soldaten nie versiegt und auch absurdeste Forderungen Mehrheiten finden – etwa die nach unbegrenzter Aufnahme illegal eingereister Glücksritter zweifelhafter Herkunft oder nach der Einrichtung von Toiletten für Menschen, die sich keiner Geschlechterkategorie zugehörig fühlen. Die Anzahl eigener Sitze im Abgeordnetenhaus ist dabei von nachgeordneter Bedeutung, weil die übrigen traurigen Gestalten des impotenten Parteienblocks zumeist weder über alternative Konzepte noch über das Rückgrat zu deren Behauptung verfügen. Auf Tiraden über die Eskapaden eines Kulturbetriebes, der seinen stromlinienförmigen Kurs nur unterbricht, um den Zeitgeist links zu überholen, wird hier verzichtet; erinnert sei lediglich an Protagonisten vom Schlage Herbert Grönemeyers oder Joko Winterscheidts.

Der näheren Betrachtung würdig sind hier die Fließrichtungen der Macht. Aus einer Generation ideologisierter Wirrköpfe und einer entwurzelten Nachkriegsgeneration wurden politische Aktivisten im Zuge von Anti-AKW-Demos, der Friedensbewegung und sonstigen wohlmeinenden Bewegungen in entsprechende gesellschaftliche Positionen gespült. Diese verhängnisvolle Zeit wird in der Regel als die der ’68er betitelt. Zahnlose Konservative räumten bereitwillig das Feld, um aufstrebenden Marxisten und Phantasten Doktorandenstellen zu überlassen; zudem verschafften sie ihnen alimentierte Betätigungsfelder im Kulturbetrieb. Auch im Parlament konnten 1983 die Grünen als exotische Boten des neuen Zeitgeistes Fuß fassen und entwickelten sich seitdem zum festen Bestandteil der politischen Landschaft der BRD. Diese Bewegung aus dem einfachen Volk mündete in einem langwierigen Prozess in oben skizzierten Positionen, von denen aus die öffentliche Meinung maßgeblich manipuliert und die Politik unabhängig von Wahlergebnissen mit entsprechender Agitation kontinuierlich in die selbe Richtung getrieben wird. Das solide metapolitische Fundament hat die schlechte Presse des RAF-Terrors gut überstanden und nimmt auch durch regelmäßige Gewaltorgien linksextremer Zusammenrottungen oder völlig enthemmte Hetze politischer und metapolitischer Protagonisten keinen nachhaltigen Schaden. Das undurchdringliche Geflecht von Meinungsproduzenten weiß jegliche Erschütterung entsprechend abzufedern und den Status Quo aufrecht zu erhalten.

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